Freitag 16.05.2008   

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Interview mit Luis Plasencia, Geschäftsführer von Fred Olsen La Gomera

Eine beispiellose Karriere

Der junge Luis Plasencia hatte eben seine Elektriker-Lehre abgeschlossen, als man ihm einen Posten auf einer Baustelle des Hotels Jardín Tecina anbot, der sich nur zwölf Kilometer von seinem Zuhause in Alajeró auf La Gomera befand.
Die zweit kleinste Kana­rische Insel hat schon viele talentierte und fähige Fach­kräfte hervor gebracht, doch bis vor einigen Jahren waren diese gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und ihr Glück wo anders zu suchen. Das idyl­lische La Gomera bot ihnen kaum eine Perspektive und so wanderten vor allem in den 70-Jahren viele Gomeros aus. „Es war eine schwierige Zeit“ erinnert sich Luis Plasen­cia, „fünf von sieben Onkeln mütterlicherseits sind damals nach Venezuela gegangen, weil es hier einfach nichts für sie gab.“ In seiner Heimatstadt sank die Einwohnerzahl inner­halb weniger Jahre von 2.600 auf nur mehr 1.000. „Es gab kaum Arbeit und wenn dann war nur saisonal begrenzt und schlecht bezahlt.“


Luis Plasencia kennt das Hotel Jardín Tecina so gut wie seine eigene Westentasche
Luis Plasencia kennt das Hotel Jardín Tecina so gut wie seine eigene Westentasche
03.11.2007 - Der erste Arbeitsmarkt auf La Gomera entstand in der Landwirtschaft. Und genau in diesem Wirtschaftszweig beginnt auch die Geschichte der Familie Olsen. Thomas Olsen, der Großvater des heu­tigen Besitzers des Unternehmens, kam 1904 erstmals auf die Insel und baute zunächst auf Feldern in der Gegend von Lomada de Tecina und der Playa de Santiago Toma­ten und Bananen an. Die etwa 100 Arbeiter, die er auf seinen Plantagen brauchte, waren alle auf Basis von Saisonverträgen angestellt. Heute ist das Betä­tigungsfeld der Olsens ein ganz anderes. Das Unternehmen ist im internationalen Schiffver­kehr, in der Hotelerie, der Gas­tronomie, im Baugewerbe, im Tourismus und im Golf-Sport tätig. Auf den Kanaren hat Fred Olsen etwa 1.000 Ange­stellte, allein 400 davon auf La Gomera, wobei 270 im Hotel Jardín Tecina arbeiten.

Nachdem Luis Plasencia seinen Militärdienst geleistet hatte, wurde er 1986 als 22-Jähriger in das technische Team des Jardín Tecina auf­genommen. „Meine Universität war die Fred Olsen Company“ meint Luis schmunzelnd, „zuerst im Bau, dann in der Erweiterung des Hotels und schließlich am Golf-Platz. Ich habe nach und nach alle Projekte von Fred Olsen ken­nengelernt, wodurch ich die Möglichkeit hatte, mich im Unternehmen zu entfalten und zu profilieren.“ Plasen­cias Karriere ist beispiellos. Als er bei Fred Olsen anfing, war er für das Einschalten aller Maschinen am Bau zuständig. Von da hat er sich kontinu­ierlich nach oben gearbeitet. Zunächst wurde er stellvertre­tender Hauptverantwortlicher, später der Leiter der tech­nischen Abteilung des Hotels und schließlich der verantwort­liche Techniker für alle Einrich­tungen des Unternehmens auf La Gomera. Zuletzt war er als Direktor der Service-Abteilung im Einsatz, bis er im Dezember 2006 zum Generaldirektor von Fred Olsen La Gomera wurde. „Ich bin – vor allem – sehr engagiert für die Fred Olsen Company“ erklärt Plasencia seinen Aufstieg an die Spitze des Unternehmens.

Um all seine Termine wahr­nehmen zu können, hat Luis Plasencia einen Zeitplan für jeden Tag, den er streng ein­hält. Denn er ist nicht nur für das Hotel Jardín Tecina verantwortlich, sondern leitet auch den Golfplatz „Tecina Golf“ und das Restaurant „Las Rosas“ und ist außerdem in den Bau der Wohnanlage „Pueblo Don Thomas“ invol­viert, wobei dafür erst kürz­lich ein eigener Projektmana­ger ernannt wurde. Montags ist Plasencia üblicherweise im Hauptbüro des Unternehmens auf Teneriffa. Dienstags nimmt er an so vielen Abteilungssit­zungen teil, wie möglich, wobei er sich auch regelmäßig mit allen Abteilungsleitern an einen Tisch setzt und aktuelle Entwicklungen und Probleme mit ihnen bespricht. Die mei­ste Zeit verbringt er damit, sich um die Verwaltung und künf­tige Projekte zu kümmern, was vor allem die Zusammenarbeit mit Lokalpolitikern verlangt.

Luis Plasencia liebt seine Insel, aber er kennt auch ihre Schattenseiten. „Es ist hier wie auf einem Schiff auf hoher See“ erklärt er, „es ist schwie­rig für Gomeros, die wo anders ihr Leben aufgebaut haben, wieder zurück zu kommen. Es gibt wenige Freizeitaktivi­tät für junge Leute hier, keine Discos, keine Pubs. Deswegen gehen sie weg und für uns ist es schwierig, qualifiziertes Per­sonal zu finden. Es gibt einige, die mit ihrer Familie hierher ziehen, aber wir haben eine hohe Mitarbeiterfluktuation.“ Dabei würden Angestellte bei Fred Olsen gut bezahlt und, so Plasencia, sei es vielen Mitar­beitern auch bewusst, dass es ein Privileg sei, für Fred Olsen zu arbeiten. „Die Gehälter wer­den direkt auf die Konten der Angestellten bezahlt und das noch vor Monatsende, aus­nahmslos.“ Mitarbeiter bekom­men Fährentickets kostenlos und erhalten darüber hinaus finanzielle Unterstützung für das Schulgeld ihrer Kinder. Außerdem gibt es eine Reihe weitere Sozialleistungen, von dem Fred Olsen-Angestellte profitieren. Die Verpflegung am Arbeitsplatz ist kostenlos und jene, die von einer ande­ren Insel kommen, erhalten entweder eine Wohnung zur Verfügung gestellt oder wer­den mit der Miete unterstützt (abhängig davon, ob sie Single sind oder mit Partner leben). „Das Problem ist, dass unser Personalbedarf – vor allem im Sommer – an den Wochenenden am höchsten ist und es hier keine Zeitarbeitsagen­turen gibt, durch die wir den erhöhten Bedarf ausgleichen könnten. Wir müssen des­halb die ganze Woche lang vollbesetzt sein, damit wir auch am Wochenende genü­gend Leute haben. Wenn wir mehr Ankünfte haben, dauert es mindestens zwei Wochen, bis wir zusätzliches Personal finden und bis dahin brauche wir es dann gar nicht mehr.“

Es mangle nicht an Abtei­lungsleitern und Managern, erklärt Plasencia weiter, „es fehlt uns an Kellern und Zimmermädchen. Am liebsten hätten wir qualifiziertes Personal ‚in petto‘, das wir bei Bedarf einsetzen können, aber das geht nicht. Dabei wäre es kein Problem, die Leute unter­zubringen, aber es findet sich niemand dafür.“ Angesichts der personellen Engpässe der Firma nutzt Plasencia die Gele­genheit um einen Aufruf an die Leser des Teneriffa Express zu starten „jeder der zwei Spra­chen spricht, also Spanisch und Deutsch oder Englisch und nach einem Teilzeitjob sucht, soll sich gern bei uns bewerben und einen Lebens­lauf an rrhhcv@fredolsen.es schicken.“

Ein Markenzeichen des Unternehmens ist die Liebe zum Detail, um den Kunden stets die beste Qualität und außerdem das gewisse „Extra“ zu geben, das Fred Olsen von anderen unterscheidet. So ist das Hotel Jardín Tecina eines der wenigen Hotels, das sei­nen Gästen zu Stoßzeiten, wenn sie an der Rezeption warten müssen, bis sie zum Einchecken dran sind, ein Glas Sekt anbietet und so die Zeit des Wartens verschönert. Das Jardín Tecina war nach dem Hotel Parador übrigens das erste Vier-Stern-Hotel, das auf La Gomera eröffnet wurde. 2007 feiert es sein 20-jähriges Bestehen, 1999 wurde mit der Generalsanie­rung begonnen. „Das Hotel hat jetzt ein ganz neues Gesicht, nur mehr ganz wenige Zimmer müssen renoviert werden.“ Und das soll bis Ende 2008 geschehen sein, ohne dass die Hotelgäste was von den Arbeiten mitbekommen.

Laut dem Raumordungs­plan von La Gomera hat die Fred Olsen Company bereits die Genehmigung, zwei wei­tere Hotels in der Nähe des Golfplatzes zu bauen - ein Fünfsterne-Hotel mit 250 Betten und ein Vierstern-Hotel mit 600 Betten. „Für zwei Hotels bräuchten wir zu viele Parkplätze, zu viele Autos würden fahren. Wir haben schon Parkplatz-Pro­bleme im Jardín Tecina und das hat nur 434 Betten. Und wenn wir dann auch noch per­sonelle Engpässe haben, bei 600 Betten, das will ich mir gar nicht vorstellen.“ Anstatt des Fünfsterne-Hotels soll des­halb eine Wohnanlage errich­tet werden und das geplante Viersterne-Hotel soll zum Teil als Aparthotel und als Fünf-stern-Anlage hauptsächlich für Golfer geführt werden. Mit den Arbeiten will man im Sommer 2008 beginnen. Das Projekt beinhaltet auch die Errich­tung eines neuen Trainings-Platzes und eines neues Club-Haus. Die Fred Olsen Company arbeitet mit Reiseveranstaltern zusammen, die ihren Gästen Golf-Urlaub anbieten. Auch Golf-Unterricht kann direkt im Reisebüro mit gebucht wer­den. Luis Plasencia ist selbst noch dabei, Golfspielen zu ler­nen, wobei ihm die Arbeit im Moment wenig Zeit zum Üben lässt. „Ich hoffe, das wird sich bald ändern“ seufzt er.

„Wir versuchen nicht nur, unser Unternehmen zu ver­markten, wir vermarkten die ganze Insel mitsamt ihrem Charme. Wir wollen nicht alle Touristen für uns alleine, sonst hätten wir längst ein All-Inclu­sive-Hotel eröffnet. Wir wollen, dass unsere Gäste die ganze Insel sehen und sich hier wohl fühlen. Wenn sie in unserem Hotel nächtigen wollen, sind sie herzlich willkommen. Wenn sie mit der Fred Olsen Fähre fahren, umso besser und wenn sie auch noch Golf spielen wollen – hervorragend.“

Luis Plasencia fühlt sich bei Fred Olsen offensicht­lich sehr wohl. Eine weitere Beförderung strebt er aller­dings nicht an – sie würde ihn nur von seiner Heimatin­sel wegbringen und das will er nicht. „Ich habe diese Chance bekommen und ich habe lange überlegt, bevor ich die Her­ausforderung angenommen habe, denn es ist kein leichter Job. Ich habe Jahre lang hart gearbeitet und jetzt kommt die Zeit, wo ich mir auch Zeit für meine Familie nehme“ erklärt er.


Bildergalerie: Eine beispiellose Karriere
Luis Plasencia kennt das Hotel Jardín Tecina so gut wie seine eigene Westentasche Der Benchijigua Express fährt regelmäßig zwischen Teneriffa und La Gomera hin und her Fred Olsen bietet seinen Gästen immer auch das gewisse „Extra“ 
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