 | | Manuel Cendagorta-Galarza López ist Geschäftsführer von ITER |
| Granadilla - 20.10.2007 - Es gab unterschiedliche Gründe, warum man dieses Projekt nie fertiggestellt hat und so arbeitete López an der Entwicklung eines kleineren Windrads weiter, welches schließlich von dem Energieunternehmen UNELCO gekauft wurde. Den Entwickler des Windgenerators übernahm die UNELCO gleich mit und so wurde Manuel López Mitarbeiter der Abteilung „Erneuerbare Energien“ und arbeitete am ersten Windpark in Granadilla de Abona mit.
López blieb fünf Jahre lang bei UNELCO. Sein damaliger Chef, Ricardo Melchior, der heute Inselpräsident ist, hatte schon seit Jahren Interesse an der Gründung eines Instituts für erneuerbare Energien gehabt und so beauftragte er Manuel López 1988 damit, ihm dabei zu helfen. Zwei Jahre später, 1990, war ITER geboren und López sieht das Institut nach wie vor als „sein Baby“. „Meins, und das einiger anderer“ gibt er zu. „ITER ist ein wenig wie unser Zuhause, das mit uns mitgewachsen ist.“
Die drei Windparks, die ITER heute unterstehen, erzeugen 13 Megawatt Strom, womit etwa 13.000 Haushalte versorgt werden können. Die Photovoltaik-Anlagen, die mittlerweile installiert wurden, bringen etwa noch einmal die gleiche Leistung. Generell ist die Stromausbeute von Windrädern um das Doppelte höher als die von Photovoltaikmodulen, da die Windräder rund um die Uhr „arbeiten“ können, während man für die Photovoltaik Sonnenlicht benötigt. Dafür braucht man wiederum Zonen mit konstantem und starkem Wind zum Bettreiben von Wind-generatoren.
„Jede der beiden Technologien hat ihre Vorteile“ erklärt Manuel López, „die Installation von Windrädern ist im Vergleich viel günstiger und beträgt nur etwa ein Fünftel der Kosten für die Installation von Photovoltaikmodulen, dafür werden diese vom Staat mit der fünffachen Summe subventioniert, wodurch sich dieser Kostenunterschied ausgleicht.“
„Wenn Sie eine Photovoltaikanlage installieren möchten, tun Sie es jetzt!“
Im optischen Vergleich schneidet die Sonnenkraft besser ab. „Windräder sind zwar billiger, aber sie sind riesig und beeinflussen die Optik einer Landschaft enorm. Wenn man zu ITER kommt, sieht man zuerst die Windräder – und zwar schon aus mehreren Kilometern Entfernung. Ich mag sie und auch Naturschützer beschweren sich bei uns kaum darüber, was in anderen Ländern doch oft der Fall ist. Die Photovoltaikmodule sind viel unauffälliger, aber sie brauchen mehr Platz.“
„Dächer sind der ideale Ort für Photovoltaikmodule – da nehmen sie keinen zusätzlichen Platz weg.“ Dennoch eignen sich längst nicht alle Dächer für die Montage von Modulen, da es bestimmte Winkel gibt, in denen sie sich befinden müssen und sie außerdem nach Süden ausgerichtet werden sollten. „Architekten heutzutage mögen keine geraden Wände oder rechteckigen Dächer. Ich bin auch noch keinem begegnet, der ein schwarzes, rechteckiges Dach für schön hält. Trotzdem – genau das muss kommen.“
„In Europa gibt es interessante finanzielle Anreize, damit die Leute Photovoltaik-Anlagen auf ihren Dächern installieren, in Japan gibt es das nicht. Trotzdem werden dort fast alle Neunbauten damit ausgestattet. Schauen Sie sich die Deutschen und die Japaner an – je reicher und fortschrittlicher ein Land ist, desto mehr gibt man auf die Umwelt acht. Wenn man arm ist, macht man sich Sorgen darum, wie man satt wird, aber wenn man genug Geld hat, will man ein Haus, ein Auto und dann auch eine intakte Umwelt. In Japan sind es Privathäuser, die den meisten Strom aus der Umwandlung von Sonnenenergie gewinnen. Wenn man ein Haus baut, kostet das vielleicht 200.000 bis 300.000 Euro und es dann mit einer Photovoltaik-Anlage auszustatten kosten vielleicht noch einmal ein Zehntel davon. Gut, es ist teuer, aber im Vergleich dazu, wie viel Geld man in ein Haus steckt, ist es nichts und darüber hinaus eine gute Investition.“
Jeder, der über den eigenen Hausgebrauch hinaus Strom erzeugen und ins Netz einspeisen möchte, muss sich als Energieerzeuger eintragen lassen und Mehrwertsteuer (IGIC) abführen. Darüber hinaus werden dem Energieabnehmer UNELCO jeden Monat Rechnungen über den fälligen Betrag für den abgelieferten Strom gestellt. Das ganze sei noch mit zu viel bürokratischem Aufwand verbunden, kritisiert López. „Wenn man jemanden dafür bezahlt, der einem den Papierkram erledigt, geht der ganze Gewinn dafür drauf – denn es ist viel zu viel Papierkram. Es sollte viel einfacher funktionieren.“
Im Moment arbeitet ITER an einer 100 Kilowattanlage im Rahmen des SOLTEN-Projekts – sie wird mit 150 Modulen der größte Photovoltaikpark der Welt sein. Die gleiche Leistung würde durch die Montage von Modulen auf 20 bis 30 Häusern erzielt, doch das wäre viel teurer, da man viel mehr Personal bräuchte um die Photovoltaik-Anlagen jedem Haus mit seinen Eigenheiten anzupassen.
„Wir stellen gerade ein Team zusammen, dass die Installation von Photovoltaik-Modulen auf Privathäusern bewerben und vermarkten soll“ erklärt der Geschäftsführer von ITER, der die Erzeugung von Strom am eignen Haus für sehr zukunftsträchtig und auch profitabel hält.
Im Spanischen gibt es die Redensart „das Haus mit dem Dach beginnen“, was im Deutschen etwa „das Pferd von hinten aufzäumen“ entspricht. Was im herkömmlichen Sinn eher an einen Schildbürgerstreich erinnert, wird bei ITER ganz absichtlich und mit gutem Grund praktiziert. Hier beginnt die Planung beim Dach, um so eine optimale Voraussetzung für die Montage von Photovoltaikmodulen zu schaffen. Die Module sind in unterschiedlichen Formen und Ausführungen erhältlich, manche werden auf Gerüste gestellt, damit ein optimaler Winkel zum Sonneneinfall gewährleistet ist und im Fall, dass es eine Lagerhalle oder ein Labor oder ähnliches zu bauen gäbe, könnte man diese einfach unter den fertigen Photovoltaik-Konstruktionen errichten.
Auf Gran Canaria will man Windgeneratoren im Meer aufstellen, damit sie die Landschaft der Insel optisch nicht beeinträchtigen. Es ist nur ein kleines Projekt, aber Manuel López glaubt nicht, dass es so erfolgreich werden könnte wie vergleichbare Projekte in England oder Norwegen. „Sie haben welche in der Nordsee installiert – aber das ist kein richtiges Meer, sondern eher ein Teich, mit einer Tiefe von drei bis fünf Metern.“
Die Kanarischen Küsten mit ihren steilen Klippen seien für derartige Projekte weniger gut geeignet. Auf Gran Canaria ist geplant, die Windgeneratoren auf Unterwasserplatteaus zu stellen, die sich nur knapp unter der Wasseroberfläche befinden. Die Kosten der Tragvorrichtungen betragen dadurch annähernd so viel wie die Kosten der Windgeneratoren selbst. Auch die Verwendung von Plattformen, die auf dem Wasser treiben, wurde bereits in Erwägung gezogen. Dies dürfte allerdings zu kostenaufwendig sein, als dass sich eine Realisierung lohnen würde.
Die drei Windparks erzeugen 13 Megawatt Strom, womit etwa 13.000 Haushalte versorgt werden können.
Gefragt, was er von Wellenkraftwerken und im Speziellen vom Bau eines solchen im neuen Hafen von Granadilla hält, reagiert Manuel López nicht begeistert: „Die Kraft des Meeres ist enorm und Wasser ist um 1.000 Mal dichter als Luft. Bei einem Sturm kann eine große Welle das ganze Kraftwerk wegspülen. Es muss daher schon äußerst stabil und widerstandsfähig sein, was wiederum sehr viel kostet. Außerdem lässt das Salzwasser Metall sehr schnell rosten und die Instandhaltung ist auch teuer, weil jedes Mal, wenn irgend etwas ist, ein Boot hinaus fahren muss. Und wenn die See stürmisch ist oder man ein Werkzeug, das man braucht, an Land vergessen hat, muss man unverrichteter Dinge zurück fahren. Das kostet alles viel Geld.“
ITER beteiligt sich auch an der Entwicklung von Wasserstoffverbrennungs-Technologien, wobei es bis dahin noch ein langer Weg sei, und an der Erfindung von Computeranwendungen, die im Bereich der erneuerbaren Energien zum Einsatz kommen könnten. Im Moment ist das Institut in einem Projekt der Europäischen Union involviert, in dessen Rahmen mehr als 600 Energiegewinnungstechnologien in isolierten Zonen über acht süd- und zentralamerikanische Länder verteilt installiert werden. Mit der damit erzeugten Energie sollen Laptops betrieben werden, die mit einem Satellitensystem verbunden sind.
Sämtliches Wasser, dass ITER benötigt, gewinnt das Unternehmen mittels einer Entsalzungsanlage aus dem Meer. Außerdem gibt es auf dem Gelände in Grandadilla einen Windtunnel, in dem neue Technologien erprobt werden. Eine Umweltforschungsabteilung erforscht die Gefahren, die vom Vulkanismus auf der Insel ausgehen und wie man sie minimieren kann. Erforscht werden auch Grundwasserseen und geotherische Ressourcen in beziehungsweise unter dem Vulkangestein im Ozean, atmosphärische Verschmutzung sowie Erdbebenvorhersage mittels geochemische Tests. ITER hat darüber hinaus ein Bildungsservice in Zusammenarbeit mit Schulen eingerichtet, einen „technologischen“ Spaziergang durch den ITER-Park für Besucher angelegt und ist außerdem der Organisator des Eólica Festivals, das 2007 bereits zum fünften Mal stattfand.
Obwohl Manuel López als Generaldirektor des Unternehmens ein viel beschäftigter Mann ist, bereiten ihm nicht die vielfältigen Projekte Kopf-Zerbrechen, sondern vielmehr ein aktueller Beschluss der Regierung, der die Senkung des Mindestabnahmepreises für eine Kilowattstunde Photovoltaic-Strom von 0,44 Euro auf 0.08 Euro vorsieht. „Man sollte stabile Voraussetzungen schaffen – wie zum Beispiel in Deutschland, wo der garantierte Abnahmepreis mit jedem Jahr, in dem ein Projekt nicht fertiggestellt wurde, um fünf Prozent sinkt. Damit kann man kalkulieren. Und wenn man nicht heute fertig wird, sondern erst morgen, ist das nicht gleich eine Katastrophe. Aber hier geht das nicht“ ärgert López sich. „Hier hat man die Garantie, dass man 25 Jahre lang den Fixpreis von 0,44 Euro bezahlt bekommt, wenn das Projekt bis zum nächsten Jahr fertig ist. Und nach den 25 Jahren hat man gar keine Garantie mehr. Vielleicht gibt es bis dahin einen neuen Tarif, vielleicht bekommt man aber auch nur die 0,08 Euro. Jeder, der Photovoltaikanlagen verkauft, muss jetzt versuchen, alle Projekte innerhalb der kommenden 18 Monate fertig zu stellen – das sind Installationen von 56 Megawattanlagen, die insgesamt etwa 350 Millionen Euro Kosten. Das ist ein harter Job, wir alle stehen unter großem Druck, weil alles innerhalb von eineinhalb Jahren fertig sein muss. Wir sind schon alle verrückt.“
Abschließend gibt uns Manuel López und allen, die sich für erneuerbare Energien interessieren, noch einen Tipp mit auf den Weg: „Wenn Sie eine Photovoltaikanlage installieren möchten, tun Sie es jetzt!“
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