Urlaub vom Flüchtlingslager
Saharakinder verbringen Sommer auf Teneriffa„Der Krieg geht nicht auf Urlaub“ lautete der Slogan einer Werbung, die zu Spenden anlässlich des Jugoslawien-Kriegs aufrief. Für etwa 9.000 Kinder aus dem Krisengebiet der Westsahara gibt es nun doch so etwas wie Urlaub vom Krieg. Alleine 700 Kinder verbringen im Rahmen der Aktion „Vacaciones en Paz“ - was soviel bedeutet wie „Ferien in Frieden“ - einige Wochen auf den Kanaren, fernab von den Problemen des Alltags im Flüchtlingslager.
Seit Jahrzehnten befindet sich die Sahararegion im Grenzgebiet zwischen Marokko und Algerien im Krisenzustand. Die Kinder, die hier leben, kennen nichts anderes als das Leben im Flüchtlingslager. Ihre Eltern und Familien sitzen nämlich seit 1976, also seit mehr als 30 Jahren in diesem Lager in der Nähe der Stadt Tindouf fest.
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 | | Einige der Saharakinder bei ihrem Besuch in der Gemeinde Arona, im Süden Teneriffas (im Bild mit Aronas Bürgermeister Reverón) |
| 08.08.2008 - Spanien hatte 1884 seine Kolonialherrschaft über die Westsaharagebiete erklärt. Ab Mitte des letzten Jahrhunderts war es zu Konflikten um die Herrschaftsansprüche in der Zone gekommen, die auch nicht gelöst werden konnten, nachdem Spanien seine Kolonialherrschaft am 28. Februar 1976 offiziell abgelegt hatte.
Insgesamt 180.000 Menschen im Grenzgebiet zwischen Marokko und Algerien flohen damals vor dem Krieg nach Algerien. Bis heute können sie und ihre Kinder nicht in ihre alte Heimat zurück, da der so genannte Westsaharakonflikt noch immer nicht gelöst ist. Die Flüchtlinge sind vollständig von Hilfslieferungen der EU, der UNO und anderen Organisationen abhängig. 130 Flüchtlingskinder im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren verbringen diesen Sommer bei Gastfamilien auf Teneriffa, bevor sie wieder in ihre Welt ohne Aussicht auf Frieden zurückkehren dürfen. Angeboten wird den Kindern neben einem Familienleben auch eine Reihe von Aktivitäten, wie z.B. Strandbesuche. Der Urlaub beginnt für die Kinder mit einer Vorsorgeuntersuchung. Eventuell notwendige Behandlungen werden von der spanischen Sozialversicherung übernommen. Besonders Wert wird auch auf gesunde Ernährung der Saharakinder während ihrer Ferien gelegt – etwas, das im Flüchtlingslager oft zu kurz kommt. Nicht nur die Kinder profitieren von den Ferien, auch für die Gastfamilien ist die Aufnahme eines Saharakindes eine schöne Erfahrung. Es macht Freude, diesen Kindern ein Stück vom Paradies zu zeigen und zu schenken. Die meisten Gasteltern kleiden ihre Schützlinge auch neu ein, um ihnen eine Freude zu machen, die sie mit nach Hause nehmen können. Insgesamt ist „Vacaciones en Paz“ ein Projekt der Solidarität – ein kleines Trostpflaster für Kinder einer Generation ohne Zukunft. (ma)
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