Kanaren als Drogenumschlagplatz Nummer eins?
Das billigste Cannabis ganz Europas kann man in Spanien kaufen. Die Droge wird kilo- manchmal sogar tonnenweise von Marokko, wo sie angebaut wird, nach Spanien geschmuggelt und dort an Großabnehmer ab 10 Cent pro Gramm verkauft. Dies geht aus dem neusten und bisher umfangreichsten Bericht zur Cannabis-Situation der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) in Lissabon hervor. Nicht selten gelangen die Drogen aufgrund der geografischen Nähe zunächst auf die Kanaren, bevor sie von da aus nach ganz Europa gebracht werden.
Während der lediglich als „problematisch“ eingestufte Konsum von Cannabis schon besorgniserregend scheint, ist der Anstieg des Kokainkonsums in den letzten Jahren alarmierend. Von 2000 bis heute hat sich dieser in Spanien vervierfacht – eine Zahl, die der Verein „Proyecto Hombre“ anlässlich des Weltdrogentags im Juni veröffentlichte.
Der erste Kontakt mit illegalen Drogen entsteht bei den meisten Menschen schon in der Pubertät. Der Kanaren Express machte die Probe aufs Exempel und befragte 17 zufällig gewählte Jugendliche von 16 und 17 Jahren nach ihren Erfahrungen mit Drogen. Acht davon gaben zu, schon einmal Kokain probiert zu haben, zehn haben schon mindestens einmal Cannabis geraucht und vier der Befragten haben sich sogar schon einmal auf die besonders gefährliche, aber vielfach unterschätze Substanz namens Ecstasy eingelassen. Alle 17 gaben an, regelmäßig in den Amüsiervierteln von Las Américas zu verkehren – eine Gegend, in der der Drogenhandel zu boomen scheint.
Positiv: Lokale Drogenfahnder und Polizei konnten in den letzten Monaten immer wieder Erfolge im Kampf gegen den Drogenhandel verzeichnen. Erst Ende Juni wurden 560 kg Kokain mit einem Verkaufswert von etwa 30 Millionen Euro auf Gran Canaria sichergestellt. 21 Personen wurden festgenommen. Erst kurz vorher hatte die Polizei ebenfalls auf Gran Canaria elf Personen wegen Drogenhandels verhaftet. 174 Portionen Kokain wurden dabei sichergestellt. Und erst im Mai war den Beamten auf Teneriffa ein Doppelschlag gegen die Drogen-Mafia gelungen: eine 33-jährige Rumänin wurde am Südflughafen Reina Sofía verhaftet. Sie hatte mehr als ein Kilo Kokain im doppelten Boden ihres Koffers versteckt. Am selben Tag wurden zwei Männer in Las Chafiras, San Miguel, festgenommen, die 16 Dosen Heroin in ihrem Besitz hatten.
Wie aus dem Bericht der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle hervorgeht, wird in Spanien insgesamt mehr Haschisch beschlagnahmt als in den restlichen 26 Mitgliedstaaten der EU (plus Norwegen) zusammen. Die Erfolge der Polizei sind allerdings nicht nur auf die Effizienz der Ermittlungen zurückzuführen, sondern darauf, dass in Spanien ein Vielfaches mehr an Drogen im Umlauf ist als in Resteuropa. Ein Sprecher der Zivilpolizei (Guardia Civil) von Teneriffa bestätigt uns, dass der Großteil aller Drogen, die auf den Kanaren landen, nur auf Durchreise seien. „Die Kanaren sind das Tor nach Europa. Die Drogen werden von hier aus aufs Festland gebracht und von dort aus weiterverteilt. Haschisch kommt meistens aus Afrika, aus Marokko. Kokain wird oft aus Südamerika auf die Kanaren geschmuggelt. Und Heroin kommt beispielsweise aus Afghanistan.“ Laut Aussage des Polizeisprechers sei vor allem ein Anstieg des beschlagnahmten Heroins zu verzeichnen. (ma)
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18.03.2010 - 






