Kommentar von Sabine Virgin
Man spricht Fußball-DeutschIch schreibe heute nicht im Namen aller Fußball begeisterten Frauen, die sich in diesem Sport auskennen. Hiermit oute ich mich ganz glasklar als eine typische Klischee-Erfüllerin: ich habe keine Ahnung! Allerdings gibt es für mich als Reporterin einen guten Grund, mich für die momentan laufende EM zu begeistern. Sie entpuppt sich als echte Fortbildungsmaßnahme in Bezug auf den Wortschatz.
Eigentlich dachte ich ja immer, dass ich über ein ganz passables Vokabular verfüge, aber den Sportreportern kann ich nicht das Wasser reichen.
|
| 28.06.2008 - Da gibt es nicht nur Ball- sondern vor allem Wortkombinationen, bei denen ich nur Bahnhof verstehe. Während Mann die Tore zählt, sitze ich mit meinem Notizblock vor der Glotze und notiere mir die Wortgewandtheiten.
Da kommen zum Beispiel Teams in „Gleichzahl“: Ich kenne Mehrzahl, Einzahl, Überzahl, aber Gleichzahl? Ist damit die gleiche Mannschaftsstärke gemeint? Ich dachte eigentlich, das sei normal, dass beide mit elf Mann spielen – so viel habe sogar ich begriffen! Oder „sie haben das Tor gefunden“ – ja hat denen denn das Spiel vorher keiner erklärt oder ist das eine moderne Version von „Blinde Kuh“?
Manchmal wird auch rustikal gestoppt – da sitze ich auf meiner rustikalen Couch und frage mich, wie man rustikal stoppen kann. In verbalen Höhenflügen wird von einer „Himmeltorperspektive“ gesprochen, schaut Petrus etwa auch zu? Was passiert eigentlich, wenn „der defensive Eckpfeiler auf den Platz wankt“? Oder wie versteht man „Er ist der Kopf der Mannschaft, aber nichts fällt raus“ – was soll dem denn aus dem Kopf fallen, bitteschön, und wozu? Sprüche wie „das Spiel ist gelutscht“ oder „der wurde angebockt“ finde ich ja fast ein bisschen unterhalb der Gürtellinie, es schauen ja schließlich auch Kinder zu!
Erstaunlich sind die geografischen Kenntnisse der Reporter. Während ich hier auf der Insel Däumchen drehe, scheint sich in Europa einiges umstrukturiert zu haben. „Schauen wir doch mal, wo die Türkei herkommt?“ – Ist die denn jetzt woanders? Oder nach dem Sieg der Türken: „Es wird gefeiert in den türkischen Großstädten, wir werfen einen Blick nach Berlin“. Da scheint mir schon wieder etwas entgangen zu sein, seit wann liegt Berlin in der Türkei? Vom Gärtnern haben die Sportkommentatoren jedenfalls keine Ahnung. Beim Super-Spiel der Deutschen gegen Portugal meinte die Stimme am Mikrofon doch tatsächlich: „Wie wird das Gras auf Regen reagieren?“ Ja wie wohl? Es wird halt nass! Oder fürchtete der Sprecher, er müsse in der Halbzeit schnell den Rasen mähen, um noch was zu sehen?
Manchmal wundere ich mich schon, aber obwohl ich bestimmt nicht viel von diesem Sport verstehe, muss ich zugeben, Spaß macht es bei diesen großen Länderspielen schon.
Jubel, Trubel und Nationalstolz kommen selten so offensichtlich ans Tageslicht und ich finde es schön, wenn Mann sich so richtig emotional gehen lässt und sich ausgewachsene Spieler und Anhänger gebärden, als wären sie im Kindergarten. Das finde ich Klasse!
Und ich für meinen Teil nutze eben diese Zeit, wie bereits eingangs erwähnt, als Fortbildungsmaßnahme in Sachen Wortgewandtheit und wenn Sie, liebe Leser, meine Artikel in Zukunft nicht mehr verstehen, dann liegt es daran, dass ich diese Zeit effektiv und erfolgreich genutzt habe. Aber bis dahin begnüge ich mich mit einem einfachen jubelnden Tooooor für Deutschland!
|
|
Texte © 2007 - 2008 by Kanaren Express Alle Rechte vorbehalten
|
| KanarenExpress - Die Zeitung mit Fernsehprogramm für die Kanaren Das Fernsehprogramm für die wichtigsten deutschsprachigen Sender mit Angabe der Sendezeiten zur Ortszeit der Kanarischen Inseln ist fester Bestandteil Ihrer Zeitung auf den Kanaren. Lesen Sie aktuelle Nachrichten in der Online Ausgabe des KanarenExpress. Wir berichten über Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote, Fuerteventura, La Gomera, La Palma und El Hierro. |
| | |
| | |  | |
| | | | | | Webradio Live-Stream |
|
|