Fiestas de San Juan lassen die Strände leuchten
Die JohannisnachtAm 24. Juni ist Johannisnacht – die Nacht, die vor allem die Strände der Insel in ein romantisches Licht versetzt. Eine Nacht, die man im Kreise von Familie und Freunden am Wasser verbringt, während im Hintergrund die riesigen Holzberge, die wochenlang aufgeschichtet wurden, brennen und langsam zu Asche werden.
Überall in Europa feierten die Naturvölker die kürzeste Nacht des Jahres als eine Nacht voller Magie, Zauber- und Heilkraft. Mit der Christianisierung wurde dem Brauch zwar eine religiöse Grundlage gegeben (man feierte den Geburtstag von Johannes dem Täufer), aber die Riten sind bis heute dem heidnischen Kult entnommen.
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| 21.06.2008 - In Italien erzählt die Legende, dass sich die Sonne mit dem Meer vermählt, die Germanen vertrieben böse Geister oder Krankheiten und sammelten die Heilkräuter, denen besondere Kraft zugeschrieben wurden. Auch die kanarischen Ureinwohner feierten die Sommersonnenwende und glaubten, dass ihr Feuer der Sonne Kraft verlieh. Ein Sprung über das Feuer gilt als Mutprobe, ein Liebespaar, das gemeinsam über die Glut springt, soll für immer beieinander bleiben. Kräuter, Feuer und Blumen verbinden sich, um dieser Nacht Zauber und Mystik zu verleihen. Viele verschiedene Sitten und Bräuche ranken sich um diese Feuernacht. Manche werfen Zettel ins Feuer, mit denen sie ihre Sorgen in den Flammen auflösen, andere werfen Kräuter in die Glut, um das Glück anzuziehen. Es ist eine Nacht der Neugeburt in vielerlei Hinsicht. Krankheiten und Schreckgespenster werden vertrieben, Liebe wird angezogen und Altes durch Neues ersetzt. Überall an den Stränden treffen sich die Menschen mit Picknick-Körben und lassen sich zu einem gemütlichen Abend im Freundeskreis nieder. Häufig werden sogar ganze Zeltstädte aufgebaut und man verbringt ein paar Tage unter freiem Himmel. Auch wenn es eigentlich verboten ist wild zu campen, wird es rund um „Johanni“ meist geduldet.
Zu mitternächtlicher Stunde legen die Menschen plötzlich ihre Kleidung ab, um ein spätes Bad in den Wellen des Atlantiks zu nehmen. Auch dieses Ritual soll Glück, Gesundheit und Schönheit bringen. Die bekanntesten Feste im Norden Teneriffas finden an der Playa Jardín von Puerto de la Cruz und an der Playa San Marcos in Icod de los Vinos statt. An der Playa Jardín spielen verschiedene Bands und verwandeln den Strand in ein riesiges Open-Air-Festival. Als Besonderheit werden hier kleine Teelichter auf Bananenblattschiffchen gestellt und auf die Reise über den Ozean geschickt. Und dann gibt es noch einen sehr netten Brauch: Am Morgen nach Johanni füllt sich der Hafen von Puerto de la Cruz mit Ziegenherden, die aus den Bergen La Orotavas herabgeführt werden, um im Atlantik zu baden. Meist sind die Ziegen von dieser Notwendigkeit weniger überzeugt und verhalten sich demgemäß etwas zickig. Ein Spektakel, das sich anzuschauen lohnt.
In Icod de los Vinos erscheinen viele Leute bereits im Bade-Outfit und, begleitet von heißen Rhythmen, gleicht diese Szene eher einer Disco unterm Sternenzelt. Ein wunderschöner Brauch ist es, wenn von den Bergen bunt geschmückte „Hachitas“ - das sind eine Art Holzkreuze, die mit allerlei Blumen und Zweigen geschmückt sind - zum Wasser herabgetragen werden. Die Gemeinde lädt dann alle Teilnehmer zu einem großen kostenlosen Gemeinschaftsessen ein. Gratisessen für die Besucher gibt es auch an der Strandpromenade in Los Silos, bevor auch hier die Holzberge in Flammen aufgehen und am nächsten Tag ist traditionsgemäß der Eintritt ins Schwimmbad direkt am Strand kostenlos.
Auch im Süden steht die „Noche San Juan“ ganz unter dem Zeichen des Feuers. Viele Strände werden durch hunderte kleine und größere Feuer erleuchtet. Besonders schön kann man diese Nacht, die voller Bräuche ist, beispielsweise an der Playa von El Médano oder in Las Galletas miterleben. Die „Fiesta de San Juan“, wie sie auf den Kanaren genannt wird, ist ein Fest voller Fröhlichkeit, Romantik sowie heidnischer Bräuche - und es macht Spaß, die dunklen Schatten des Lebens zu verbannen. Von Sabine Virgin
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