Bürgerprotest gegen den Autobahnring Nord
Ja zum Stopp – Nein zum RingRund 500 Demonstranten versammelten sich in El Empalme bei Icod de los Vinos, um rund drei Kilometer weit bis zum Rathaus in der Innenstadt zu laufen und dabei ihren Protest gegen den Autobahnring rund um die Insel auszudrücken.
„Nein zum Ring – Ja zu Alternativen“ war eine der Parolen, die sie unter Trommelwirbel und Pfeifkonzert anstimmten. Symbolisch trugen sie Zweige und Fähnchen, einen Sarg sowie eine Mülltüte mit weißen Mittelstreifen mit sich. Immer wieder machten sie klar, dass ein Ausbau der Straße für sie einem Ausverkauf Teneriffas gleichkomme.
|
 | | Die schwarze Plastikfolie mit Mittelstreifen wurde auf der Treppe zum Rathaus entrollt | © www.inselteneriffa.com |
| Icod de los Vinos - 26.07.2008 - Die künftige Trasse bedeute nicht nur die größte Enteignungswelle der Insel, sondern vor allem vernichte sie wertvolles Ackerland, führe zum Teil durch ein Naturschutzgebiet und bedrohe alte Traditionen, wie das Fest der „Hachitas“ (geschmückte Blumenkreuze), das dann nicht mehr gefeiert würde, weil die dörfliche Umgebung zerstört sei. Wichtige ethnologische und ökologische Strukturen der Gegend stünden auf der „Abschussliste“ zugunsten der Autobahn.
Angesichts von mehr als 700 Betroffenen war der Zug der Demonstranten dennoch relativ klein: Vor allem Umweltorganisationen von der ganzen Insel waren angereist, um sich mit Icod zu solidarisieren. Dabei betonten sie, dass sie nicht prinzipiell gegen einen Inselring seien, sondern für eine realistische Alternative. So schwebt ihnen für das Teilstück zwischen Icod de los Vinos und El Tanque eine Schnellstraße mit Überholmöglichkeiten vor. Diese Alternative sieht nur drei statt 24 neue Straßenkilometer vor, würde nur rund ein Zehntel dessen kosten, was jetzt mit rund 530 Millionen Euro veranschlagt ist und die Bauzeit verkürze sich von 10 bis 15 Jahren auf zwei bis drei Jahre. Außerdem müssten weder Wohnhäuser noch alte Wege dem neuen Projekt weichen, und statt 55 Hektar neuem Asphalt käme man mit 4,5 Hektar aus. Die Fahrzeit zwischen Icod de los Vinos und Santiago del Teide wird mit 22 Minuten kalkuliert. Am Rathaus stellten sich Bürgermeister Diego Afonso und sein Projektleiter der Menge. Er bezog ganz klar Stellung und outete sich als Autobahnbefürworter. Darauf hätte er auch in seiner Wahlkampagne vor rund einem Jahr hingewiesen. Zudem wisse er die Mehrheit der Bevölkerung, auch Betroffene, hinter sich und betrachte diese schnelle Anbindung an den Süden als wichtigste Zukunftschance einer künftigen ökonomischen Entwicklung der Stadt und der gesamten Gemarkung bis hinunter nach Buenavista del Norte. Emotional wurde es, als er versprach, sich für eine faire Abfindung der Betroffenen einzusetzen und eine schwangere Frau mit zwei Kindern darauf hinwies, dass man sie mit einer Summe abgespeist hätte, die sie mit einem Berg Schulden und keinem Dach über dem Kopf ihrer jungen Familie zurückließe. Laute Buh-Rufe machten einen Dialog unmöglich. Fraglich ist allerdings dennoch, ob der Protest tatsächlich noch ein Umdenken in Gang setzen kann. Bereits im Vorfeld der Kampagne, die sogar mit Radiospots zur Teilnahme an der Protestveranstaltung aufrief, war es zu Verstimmungen gekommen. In Garachico hatten beispielsweise Randalierer Mauern und Bushaltehäuschen mit Anti-Autobahn-Slogans besprüht. Dagegen verwehrte sich Garachicos Bürgermeister Miranda, der diese Schmierereien nicht als Ausdruck von Demokratie, sondern von reiner Zerstörungswut wertete. Er drohte deftige Geldstrafen an, wenn die Täter in flagranti ertappt würden. Politisch wird dem Inselring parteiübergreifend (mit Ausnahme der Grünen, versteht sich) oberste Priorität eingeräumt. Menschlich schwanken viele zwischen verständnisvoller Solidarität mit den Betroffenen und dem Schutz der Umwelt einerseits sowie der Einsicht, dass eine Schnellverbindung in den Süden einen neuen Arbeitsmarkt für die Nordbewohner erschließen würde auf der anderen Seite. Vor der rasanten Fahrt auf der neuen Straße müssen daher noch einige Brücken zwischen verschiedenen Interessengruppen geschlagen werden. (sv)
|
|
Texte © 2007 - 2008 by Kanaren Express Alle Rechte vorbehalten
|
| KanarenExpress - Die Zeitung mit Fernsehprogramm für die Kanaren Das Fernsehprogramm für die wichtigsten deutschsprachigen Sender mit Angabe der Sendezeiten zur Ortszeit der Kanarischen Inseln ist fester Bestandteil Ihrer Zeitung auf den Kanaren. Lesen Sie aktuelle Nachrichten in der Online Ausgabe des KanarenExpress. Wir berichten über Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote, Fuerteventura, La Gomera, La Palma und El Hierro. |
| | |
| | Wandern |  | Auf Teneriffa wandern - Heidi's Wander-Club Teneriffa Wandern, Wanderungen, Wandertourismus |
| | |  | |
| | | | | | Webradio Live-Stream |
|
|