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Samstag, 04.07.2009
Hände weg von Freundschaftsdiensten
Deutscher in Schusslinie von Taxikrieg geraten
Manche Freundschaftsdienste können einen teuer zu stehen kommen. Im Fall von Tino N. haben sie sogar einen definitiven Preis, nämlich satte 1.501 Euro.
Diese Summe soll der Deutsche für eine angeblich illegale Taxifahrt bezahlen. Die Geschichte begann im Januar dieses Jahres, als Tino von einer Nachbarin, die ihren Geburtstag in großem Stil feierte, gebeten wurde, holländische Freunde vom Flughafen abzuholen und sie am Abreisetag auch wieder dorthin zu bringen. An jenem unheilvollen Tag erschien er pünktlich an der Rezeption des Hotels. Nachdem die Freunde noch beim Frühstück saßen, wartete er bei seinem Auto auf sie und dort begann der Schildbürgerstreich.
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Die befreundeten Holländer, die mittlerweile dazugekommen waren, bestätigten Tinos Aussage, dass es sich nicht um eine bezahlte Fahrt, sondern einen Gefallen unter Freunden handelte. Nach seiner Rückkehr vom Flughafen versuchte er gemeinsam mit seiner kanarischen Lebensgefährtin den Vorfall zu klären. Die Nachbarn legten als Beleg eine Gästeliste ihrer Geburtstagsparty vor, auf der sowohl Tino N. als auch die beförderten Freunde namentlich aufgeführt waren. Auf der Dienststelle teilte man ihnen mit, dass der Vorfall damit erledigt sei. So weit wäre es ja gut gewesen.
Das dicke Ende kam aber völlig unverhofft im Mai in Form eines Bußgeldbescheids in Höhe von 1.501 Euro. Ein Gespräch mit der lokalen Polizei ergab nur, dass man von nichts mehr wusste, der Kollege, der den Fall behandelt hatte, bis Mitte Juni in Urlaub sei, er mit Sicherheit zahlen müsse und eine Stellungnahme, die fünf Tage dauern sollte, auch nach zehn Tagen noch nicht fertig war. In seiner Not wandte sich Tino N. mit einem Leserbrief an die lokale Presse. Kanaren Express kontaktierte daraufhin den Konsul Peter-Christian Haucke, der auch fand, dass dies zu weit gehe und versprach, sich der Sache anzunehmen. Außerdem sprach Kanaren Express im Pressebüro von Puerto de la Cruz vor und bat um Aufklärung. Dort zeigte man viel Verständnis für den merkwürdigen Vorfall und wenig für den Kleinkrieg, den die Taxifahrer offenbar ausgelöst haben. Domingo, zuständig für die lokale Polizei, nahm sich der Sache persönlich an. „Mir ist das sogar selbst einmal passiert, als ich Freunde am Hotel zum Essen abholte“. Von ihm kam der entscheidende Tipp, mit einem brieflichen Widerspruch und einer schriftlichen Zeugenaussage - die bestätigt, dass es sich um einen Freundschaftsdienst handelte, für den kein Geld floss - persönlich in der Abteilung Transportes im Cabildo vorzusprechen. Seiner Meinung nach müsste das Verfahren dann eingestellt werden. Die Aussage des Rezeptionisten, der laut Polizeiprotokoll behauptet hatte, Tino N. schon öfter im Hotel gesehen zu haben, wies der Beschuldigte entschieden zurück. Vom Hotel konnten wir bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme erhalten. (sv)
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Kommentar von Sabine Virgin
Taxikrieg versus Hilfsbereitschaft
Es ist hinlänglich bekannt, dass es viele - vor allem Ausländer - gibt, die sich ihren Lebensunterhalt mit privaten Chauffierdiensten zum Flughafen oder mit Inselrundfahrten verdienen. Natürlich ist dies den Taxifahrern ein Dorn im Auge, die zu Recht behaupten, dass dies unlauterer Wettbewerb sei, denn die „Unter-der-Hand-Fahrer“ zahlen ja weder Steuern, Sozialabgaben noch sonstige Nebenkosten. Bekannt ist, dass schon so mancher Kleinkrieg mit zerstochenen Reifen und Ähnlichem „gerächt“ wurde. Klar ist auch, dass diesen „Schwarzfahrern“ das Leben schwer und vor allem mit Bußgeld teuer gemacht werden soll. So weit ist das gemeinhin nachvollziehbar. Aber wo ist die Grenze? Für mich ist sie da, wo es sich um gelegentliche Jobs handelt, die vielleicht ein- bis zweimal im Monat stattfinden. Dass man als privater Mensch, der einem Freund, Bekannten oder Nachbarn einen Gefallen tut, an den Pranger gestellt und zur Kasse gebeten wird, schlägt aber dem Fass den Boden aus! Und vor allem finde ich die Vorgehensweise erschreckend, die sich offenbar ebenfalls hinter verdeckter (und dann aufgehaltener) Hand abspielt. Zahlen die Taxifahrer den Rezeptionisten vielleicht sogar Kopfgeld für jeden Illegalen, den sie in ihrer stümperhaften Detektivarbeit „entlarven“? Dieser Verdacht liegt fast nahe. Auch so kann man seine persönliche Tippkasse füllen. Nicht freundlicher Service und Hilfsbereitschaft, sondern Spionage und Anschwärzen scheinen das Berufsbild der Taxifahrer um einen weiteren „Aufgabenbereich“ erweitert zu haben. Und wo, bitte schön, führt dieses Mafia-ähnliche Benehmen hin? Darf ich Freunden und Bekannten beim Einkaufen helfen, sie zu Arztbesuchen begleiten, vielleicht im Notfall zuhause zur Hand gehen oder begebe ich mich dann in die Schusslinie von Altenpflegern, Übersetzern, Steuerberatern, Putzfrauen oder sonstigen Berufsständen? So gesehen kann das Fazit nur lauten: Am besten man kümmert sich nur noch um seine eigenen Angelegenheiten, schaut nicht links und rechts und reicht schon gar niemandem die Hand, um zu helfen! Die Frage ist dann nur, ob es noch lebenswert und schön ist, in einer solchen Gesellschaft zu leben.
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04.07.2009 - 






